Sie alle kennen bestimmt die Geschichte von den Bremer Stadtmusikanten. Irgendwie rührend, nicht wahr? Da finden sich ein paar Haustiere, die von der Gesellschaft ausgestoßen und gebrandmarkt wurden, ja, die sogar dem Tode geweiht sind, und ziehen hinaus in die Welt, um zu musizieren. Irgendwie aber auch lächerlich, denn jedes Kind weiß, dass Tiere gar nicht in der Lage sind, ein Instrument zu spielen. Nun fragen Sie sich zu Recht: was soll das hier? Nun, die Funkcombo „Down and Outs“ taucht in gewisser Weise in diesem Märchen ebenfalls auf: Sie sind die Räuber, die in der kleinen Hütte im Wald hausen und ein fürstliches Mahl genießen. An dieser Stelle muss die Geschichte aber umgeschrieben werden, um ihnen gerecht zu werden. Als diese Outlaw-Tiere mit ihrer Katzenmusik die Band also aus der Hütte vertreiben wollten, da lachten sie nur höhnisch und jeder packte sein Instrument aus: Alex Neher trommelte sich schon voller hämischer Freude warm, und Valentin Link am Bass und Andrés Boricua an der Gitarre ließen sich nicht lange bitten und brachten die Saiten ihrer Instrumente zum Schwingen: ein pulsierender Groove erfüllte den Raum mit Schwingungen von archaischer Gewalt. Nun griffen Matti Münch am Saxophon, Phillip Mattes an der Trompete und Martin Mangler an der Posaune zu ihren tödlichen Blasinstrumenten, die sie zwischenzeitlich als Trinkhörner benutzt hatten, und stimmten eine mächtig tönende Funkfanfare an, die die Mauern der Hütte erzittern ließen. Der musikalische Orkan schwoll mehr und mehr an, und schon schickten sich auch Gabriel Dalferth am Keyboard und Martin Probst an seinen exotischen Schlaginstrumenten an, den akustischen Mahlstrom mit messerscharfen Speerspitzen zu spicken und so noch wirkungsvoller zu machen. Die Spannung knisterte, und ob der mitreißenden Schwingungen, die die Luft elektrisierten, konnte Dominik Zäh seine Glieder und Stimmbänder nicht länger bändigen: ein erster ekstatischer Schrei von erschütternder Urgewalt entrang sich seiner Kehle. Nun sprangen auch Bettina Christian und Carmen Kessler auf und stimmten mit ein: Kein Zweifel, die Band war bereit. Gegenseitig schaukelten sie sich zu immer neuen Gipfeln des Soul hoch.
Ein Sturm aus Blues, Funk und Rock prasselte auf die törichten Tiere nieder. Tja, damit hatten die Bremer Stadtmusikanten nicht gerechnet! Der Hahn viel ob dieser Demonstration tot vom Rücken der Katze herunter. Die Katze wurde spontan tollwütig und bis den Hund in den Nacken, bevor sie schreiend und mit Schaum vor dem Mund davonpreschte. Doch sie kam nicht weit, denn die Musik entfesselte die ursprünglichsten Instinkte des (wahnsinnigen) Hundes: er setzte der Katze nach, erlegte sie und weidete sie genüsslich aus. Dann rauchte er seine letzte Zigarette und starb, so glücklich und erfüllt wie nie zuvor in seinem Leben. Nur der Esel stand noch da wie zuvor, mit weit geöffneten Augen, und starrte die elf Musiker ehrfürchtig an. Er hatte seine Meister gefunden. Die Musik begann, in allen Farben vor seinen Augen zu tanzen. Unwillkürlich fing er an mit seinen Hufen zu trippeln, schneller und schneller. Er tanzte immer skurriler, zappelte mit seinen Gelenken, schrie schließlich verzückt auf und fiel vor Erschöpfung tot um.
Nun hörte die Band auf zu spielen und alle fingen an, lauthals zu lachen. Dann stellten sie Salami aus dem zarten Eselfleisch her und bereiteten einen betörend schmeckenden Coq-au-vin zu. Guten Appetit!
Bisher waren dies die einzigen Todesfälle, die auf einem Konzert der „Down and outs“ zu beklagen waren. Seien Sie als unbesorgt, wenn diese außergewöhnliche Band in Ihrer Gegend spielt und probieren Sie selbst einmal aus, was ein solches Konzert bei Ihnen bewirken kann – Sie werden es nicht bereuen!
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