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Es darf gegroovt werden! - Mardi Gras.bb

Mardi Gras BB

Man nehme eine sehr dezente (bestuhlte) Schulaula, füge ein noch dezenter gehaltenes Raumdekor hinzu, runde das ganze mit einem äußerst dezenten Publikum ab – und heraus kommt ein rauschender Konzertabend. Wer den Fehler dieser Logik erkannt hat, der ist dem Problem, mit welchem sich die famosen Musiker der Mardi Gras.bb bei ihrem Konzert im Mössinger Quenstedt-Gymnasium konfrontiert sahen, ein gutes Stück näher gekommen.
Nur noch mal so zur Verdeutlichung - Der Name Mardi Gras.bb steht  seit mittlerweile fast einem Jahrzehnt für wundersam authentische New-Orleans-Brassmusik right outta Mannheim. Allerdings wollen sich die Jungs um Sänger/Gitarrist Jochen „Doc“ Wenz und Sousaphonist Uli „Reverend“ Krug darauf schon lange nicht mehr beschränken. Einflüsse aus Blues, Jazz, Soul, Funk, Country, Punk und Indie prägen das Bild ihrer Musik. Dabei lässt die Combo Klanggebilde entstehen, deren Dichte und Variantenreichtum einen immer wieder aufs neue unwillkürlich die Mundwinkel nach oben ziehen lassen. Vor allem aber kommen die kraftvollen Arrangements, live vorgetragen, mit einer derartigen Wucht, dass man seine Füße beim besten Willen nicht mehr auf dem Boden halten kann.

Toll, einfach tolles Publikum

Letzteres schien der Großteil des Publikums aber irgendwie nicht bemerkt zu haben. Nur so ist es zu erklären, dass die meisten Gäste in apathisch-sitzstreikender Haltung auf ihren Stühlen verharrten. Zu Beginn trug es der „Doc“ mit Fassung und erging sich in immer zotigeren Bemerkungen über die Eigenheiten des Schwaben an sich („Ich kann ihnen versichern, selbst wenn man sie jetzt aufstehen sieht, bekommen sie am Montag ihren Bausparkredit“).
Als jedoch alle verbalen und musikalischen (ja, sogar eine psychedelisch angehauchte Nummer streute das Ensemble ein) Animationsversuche nichts bewirkten, blieb den Musikern nur noch die Erkenntnis, dass hier wohl nichts zu machen sei.
Wer es bis zu diesem Zeitpunkt jedoch, wie auch immer, geschafft hat, das groteske Ambiente zu vergessen, der bekam einen Einblick in das musikalische Spektrum der Mardi Gras.bb geboten. Quer durch alle Musikstile groovten, brassten, swingten, rockten, ja und experimentierten sich die Jungs.

Mardi Gras BB

Denn bei aller Perfektion sind der berauschenden Unkonventionalität bei Mardi Gras.bb keine Grenzen gesetzt, werden abgründige Details eingestreut, was beim Zuhörer ein unbestimmtes Gefühl verwirrt-überschwänglicher Verzückung auslöst.
Dass der Abend dann doch noch versöhnlich ausging, lag zum großen Teil an der Toleranzbereitschaft der Band. Gemeinsam stiegen die Musiker ins Publikum hinab und bretterten sich durch die Schlagernummern der Blasmusik. Und siehe da, auf wundersame Weise bildete sich um die Künstler eine Traube ausgelassen tanzender Menschen, die im Anschluss freudestrahlend und rundum zufrieden den Saal verließen. Ist doch irgendwie auch schön.

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