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Jazzanova - Ein fast gelungener Tourauftakt

Donnerstagabend, ein schöner Frühlingstag klingt aus und ungefähr 300 Menschen finden sich im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart ein. Zugegeben, die perfekte Location für ein Live-Konzert bietet das Museum nicht, doch die Vorfreude auf die Live-Premiere, Jazzanova mit Band, ist groß. Den Anfang machen allerdings die beiden Djs von Dublex Inc. mit souligen Beats und feinen Funkgrooves. Clubstimmung will zwar nicht so richtig aufkommen, stilistisch passt der Vorgeschmack auf ihr kommendes Album aber sehr gut in den Abend.

Jazzanova

Gegen halb zehn betritt die neunköpfige, eigens für die kommende Release-Tour zusammengestellte Band dann die Bühne; Schlagzeug, Gitarre, Bass, Keyboards, DJ, Saxophon, Querflöte und Posaune, Congas und Handpercussion in Hülle und Fülle. Anfangs noch leicht nervös, groovt sich die Band nach und nach ein und füllt den Raum mit mal jazzigen, mal elektronischen, oft souligen Klängen, meist Songs aus dem aktuellen Album „Of All The Things“. Frontmann und Kopf der Band sind nicht, wie vielleicht vermutet, die beiden einzigen Jazzanovamitglieder Axel Reinemer (decks, perc.) und Stefan Leisering (congas), sondern Bassist und Sänger Paul Randolph, der eindrücklich beweist, warum er in seiner Heimat Detroit schon als neuer Soul-Shootingsstar gehandelt wird.

Etwa in der Mitte des Sets befindet sich die Jazzanova Liveband am musikalischen Höhepunkt des Konzert. Bei „Little Bird“ schaffen es Paul Randolph (voc.) und Sebastian Studnitzky (rhodes) wirklich Spannung und Stimmung zu erzeugen und ein Brücke zum Publikum zu schlagen. Leider einer der wenigen wirklich genialen Momente, was weder an den ausgereiften Songs, noch an den tollen Musikern liegt, sondern vermutlich einzig allein an fehlender Routine im Zusammenspiel. Man fühlt sich kurzzeitig eher in eine Probe- als in eine Konzertsituation versetzt, teilweise klingen die Arrangements unausgegoren, da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben. Schade auch, dass sich die Band zwischendurch „sessionartiger“ Instrumentalmusik bedient, man hätte sich mehr ausgearbeitete Titel gewünscht.

Paul RandolphDie Messlatte, die sich das Produzentenkollektiv von Jazzanova da gesetzt hat, scheint nach diesem Album unglaublich hoch. Studiosongs, die auch mit Hilfe von Streichern und weiterem Instrumentarium auf Platte schlichtweg überzeugen, sind nicht so ohne weiteres live umsetzbar. Da bedarf es einer eingespielten Liveband und einiger Routine, man darf also wirklich gespannt sein, wie diese Band am Ende dieser Tour klingt. Das Zeug, die Musiker und die Songs sind da, um ein kommendes Publikum noch mehr mitzureißen, als die Band es letzten Donnerstag in Stuttgart tat.   

Nach dem letzten Song ist die große Mehrheit des Publikums begeistert und fordert die Band zu Zugaben auf, die sich dann auch nochmals auf die Bühne begibt, um sich mit der Single-Auskopplung „Let Me Show Ya“ beim Stuttgarter Publikum zu verabschieden. Ein interessanter Abend, mit einer Band, die sicherlich noch Potential in sich trägt, aber jetzt schon auf hohem Niveau agiert.

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