Zwei Festivals innerhalb einer Woche im schönen Süden ließen diesen zittern. Während das Rock Am See mit Hochkarätern wie Nine Inch Nails oder NOFX um die 15.000 an den Bodensee lockten zeigte das Horber Mini-Rock das es auch mit kleinen, jedoch immer qualitativ hochwertigen Bands heiß hergehen kann.

Mini-Rock Festival, Horb am Neckar, 24.08. und 25.08.2007, mit 3.000 Zuschauern am Samstagabend vor dem Auftritt des Headliners And You Will Know Us By The Trail Of Dead ausverkauft. Während die meisten davon die Bande aus Texas feiern, lassen es sich mehrere nicht entgehen auf dem Campingplatz noch ein letztes Mal richtig zu rocken. Und das ist es was das Mini-Rock Festival ausmacht – die schön familiäre Atmosphäre im traumhaft schönen Neckartal zieht jeden Festivalgänger in seinen Bann und bringt einen jeden auf ein harmonisches, ausgelassenes Level, ob im Moshpit vor der Bühne, beim Tanzen zu wildem Ska, beim Feiern im neuen Disco-Zelt oder beim Entspannen auf dem Campingplatz. Das hier hat Persönlichkeit.
Am Freitag spielten Bands wie die Fotos (siehe Interview), The Busters, Mad Sin oder Che Sudaka und ließen die angereiste Festivalgemeinde bei strahlender Sonne schön schwitzen. Am heutigen Samstag kocht der Neckar aber erst richtig. Die Trashmonkeys zelebrieren ihren harmonischen Rock vor einer sehr gut gelaunten Crowd und auch die schon davor spielenden Yakuzi liefern eine mitreißende, schöne Show ab. Aus Skandinavien angereist mit viel Social Distortion-Flair entern Psychopunch die Bühne und lassen es krachen. Leider werden die Zuschauer, wie auch die Band selbst, erst zum Ende des Gigs warm und das obwohl die Sonne noch immer herunterknallt. Ignite, die vor Ihrem Auftritt leicht aufgeregt vor der Bühne zappeln fordern während des Auftritts einen Circle-Pit nach dem anderen. Die inzwischen schweißgebadete Menge ist in der Hand des Sängers und liest diesem jeden Wunsch von den Lippen ab. Obwohl man die freigesetzte Energie förmlich zu spüren vermag zieht sich Ignites-Frontmann nach dem halben Set einen Pulli über. Der Klumpen Menschen vor der Bühne und die geballten Kampfriffe auf der Bühne wärmen ihn wohl nicht genügend auf.
Die Menge applaudiert zu recht trotz allem der Band, die kurzfristig schon abgesagt hatte und es sich dann doch nicht nehmen ließ, in Horb zu spielen – wie es so schön auf der Festivalhomepage hieß. Bevor die Headliner aus Texas die Bühne entern und erst nach Mitternacht und somit einem mehr als zweistündigen, brachialen, traumhaft schönen, in bunte und wilde Farben getauchtem Set diese wieder verlassen, wird die frohe Botschaft „Ausverkauft“ verkündet….Trail Of Dead treibt das wohl zur Höchstform. Und auch Sie erwischt wohl die Ruhe und Gelassenheit des Mini-Rocks, denn – Equipment, wie Fans und Band bleibt unverschont, und das obwohl auch Sänger Jason Reece öfters den direkten Kontakt zum Publikum sucht und sogar einmal von links nach rechts durch die gesamte Menge läuft. Persönlicher wird’s nicht mehr. Außer vielleicht, wenn ein Großteil der Mini-Rock-Organisatorencrew auf die Bühne kommt um Danke zu sagen. Nur eines haben die da nicht verstanden, denn wir haben danke zu sagen, für ein ausnahmslos gelungenes Festival.

Rock Am See, Konstanz, 01.09.2007, mit gerade Mal nahe zu 15.000 Zuschauern weit unter der möglichen Kapazität. Während bald 10.000 beim Headliner Nine Inch Nails das Bodenseestadion verlassen, feiern wenige mehrere die Band um Trent Reznor und deren Brachiale Performance, die mit mehreren zerschlagenen Gitarren und mündlichen Angriffen gegen den Veranstalter endet, da dieser am Abend lt. Reznor nicht im Stande ist, die versprochene Strommenge bereitzustellen, die für die ausgeklügelte Performance der Industrialrocker mit Bildschirmen und Lichtwand nötig ist. So bleibt den Zuschauern eine einstündige, halbfertige Nine Inch Nails-Show und ein wütender Trent Reznor der zwar bei „Piggy“ in die Menge geht, bei „Hurt“ aber aus heiterem Himmel unter Fluchen gleich zu Beginn abbricht, sein Keyboard über den Boden wirft, während dem folgenden „The Hand That Feeds“ seine Gitarren zerschlägt, Plastikflaschen ins Publikum schleudert, beim finalen „Head Like A Hole“ mutwillig die Gitarren höher stimmen lässt und ohne ein Wort des dankens verschwindet während seine Bandmember Jeordie White und Aaron North Bass und Gitarre vernichten. Auch das hat Persönlichkeit.
Zuvor eröffnen die in Deutschland noch völlig unbekannten Emo-Post-Highschool-Prog-Rocker von The Graduate vor ein paar Begeisterten, die es geschafft haben, vor 13Uhr zum Bodenseestadion zu pilgern. Die darauf folgenden The Sounds um Frontsaudame Maja Ivarsson versprühen jede Menge Sexappeal und hauchen der Menge an diesem Samstag das erste Mal richtig Leben ein – um Einiges mehr, wie die danach spielenden Mess, die anstelle von Razorlight die Rock Am See-Bühne betreten, da diese wiederum einen Unfall mit Ihrem Tourbus bei München hatten. Mess, angekündigt als ebenbürtiger Ersatz für die Indie-Rocker Razorlight, erwiesen sich im Nachhinein als Punk-Combo mit Ska-Einflüssen und deutschem Krachgesang, der nicht nur die in Scharen angereisten Razorlight-Fans frustrierte und schockierte. Letzten Endes aber ein verzeihbarer Ausrutscher, da Mess immerhin die bessere Vorband für die Punk-Urgesteine NOFX waren, die bei Rock Am See in der Nachmittagssonne – und nicht wie beim Area4 spät nachts als Headliner – mit all ihren Hits auftrumpften. Nicht einmal der einsetzende Stromausfall nach dem halb gespielten Set beeinträchtigt die gute Laune in der Band und den Zuschauern. NOFX feiern sich selbst, gehen in die Menge, performen spezielle Tanzeinlagen, zeigen ihre Akkordeon-Spielkünste und spielen dann nach nicht weniger als 20min unter miesem Sound weiter. Doch auch das berührt die Menge, wie auch die Band kein Stück und spitzt sich zu einem der größten Höhepunkte der guten Laune bei Rock Am See zu.

Die Nationalhelden Sportfreunde Stiller sind gerne am Bodensee, das spürt man. Sie spielen sowohl Neues, wie auch viel Altes und verschwinden nach „Ein Kompliment“, „Siehst Du Das Genauso“, einem Bikinitragenden Sänger Flo, „Ich Roque“ und vielem mehr. Dafür kommt der wohl heimliche Headliner des Tages, die Band, die sogar schamlos während des Konzerts den Refrain von Nine Inch Nails „Closer“ covert. Billy Talent geben Ihr letztes Konzert für lange Zeit in Deutschland und nicht gerade wenige, vor allem aber schwarz gekleidete Minderjährige, sind gekommen um bei diesem großen Finale dabei zu sein. Routinierter, gleichzeitig aber auch zurückgelehnter und nicht mehr mit so viel Biss und Angriffslaune als vor einem Jahr, hauen die Herren aus Kanada der Menge einen Hit nach dem anderen in die Ohren. Sänger Ben verwandelt das Bodenseestadion in einen Hexenkessel und wenn die Menge nicht gerade jedes Wort aufsaugt, schreit es mit voller Wucht jede einzelne Silbe dem kleinen Energiebündel auf der riesigen Bühne entgegen. Was folgt, ist ja bekannt. Emotion und Energie sind die Schlagwörter, Persönlichkeit die aufdringlich daliegende Tatsache.
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