Nachdem sie dieses Jahr schon im Juni auf deutschen Konzertbühnen gespielt hatten, kehrten die Red Hot Chili Peppers nun noch einmal zurück um an drei Deutschland-Dates ihre beeindruckenden Live-Qualitäten mit dem aktuellen und allerorts gelobten Album "Stadium Arcadium" unter beweis zu stellen. Auch die Schleyer-Halle in unserem Ländle wurde dazu auserkoren, tausenden Fans und den Vieren aus Kalifornien an einem Abend Einlass zu gewähren.
Die Red Hot Chili Peppers, das sind Anthony Kiedis, Michael "Flea" Balzary, JohnFrusciante und Chad Smith.
Auf sie kann sich jeder einigen. Dementsprechend gut ist als Ort die riesige Schleyer-Halle gewählt worden, die an diesem Abend bis auf wenige Resttickets ausverkauft ist. Jung und alt mögen sie genauso, wie Punk und Metal-Fan. Der Papa hört sie, weil er sie schon damals in den späten 80ern gehört hatte – die Mutter, weil sie so schöne Balladen spielen – die Tochter, weil sie Anthony so süß findet und der kleine Sohn. weil er gerade den Teufel „Rock“ für sich entdeckt hat. So konnte dieses Konzert im Prinzip ganz schnell zum Familienausflug werden.
Die Red Hot Chili Peppers, das Spektakel für die ganze Familie.
Schon um 18.45Uhr wird der Menge der Einlass gestattet in die riesige Schleyer-Halle. Der Innenraum vor der Bühne füllt sich schnell und obwohl noch gut 500 Leute mehr reinpassen würden, bleibt der Wellenbrecher für den Rest des Abends aus Sicherheitsgründen leider geschlossen. Als Vorband bringen die Peppers Mike Watt und dessen Missing Men mit. Hier trifft Blues auf Psychedelic und wird mit wenig Funk gewürzt. Kennt man normalerweise nicht, muss man aber eigentlich auch nicht. Die Menge bleibt ruhig, gibt der Leistung entsprechend Applaus und verabschiedet Mike Watt, dem „Blood SugarSex Magik“ von den Chili Peppers gewidmet wurde, mit viel Vorfreude auf den eigentlichen Hauptact.
Die Red Hot Chili Peppers, eine der größten und besten Live-Bands.
Die kommen nach einer 40-minütigen Pause zwar relativ spät in Form von Chad Smith an den Drums, dem -wieder kahl geschorenen- John Frusciante an der Gitarre und Flea am Bass, deren gemeinsamer "Intro-Jam" lässt die Verspätung aber innerhalb weniger Sekunden wieder vergessen. Alle bis auf Anthony Kiedis sind schon da, der wartet geduldig und kommt erst kurze Zeit später auf die Bühne – genau richtig um mit den anderen dreien und "Can't Stop", dem Liebling der Massen, den Abend zu eröffnen. Der noch angeschlagenen Kiedis macht auf der Stuttgarter Bühne einen guten Eindruck und wirbelt um sein Mikrofon wie man es aus Videos und den TV-Auftritten kennt. Flea zappelt wild am Bass und John, der ohne lange Mähne jünger wirkt, spielt sich bei so gut wie jedem Gitarrensolo in Trance. Zwischendurch jammen die beiden immer wieder in inniger Zweisamkeit, vereinzelt ertönt auch Chad's Drum dazu. Es gibt kaum einen Song ohne Intro oder länger gezogenes Ende (besonders herausragend "Don't Fortget Me") – und davon Leben die Live-Shows der Chili Peppers, von den abweichenden Performances der Songs, den differenzierten Solo's, den Intros und Jams, der Kreativität und Spontanität auf der Bühne.
Die Red Hot Chili Peppers, das ist Kreativität nicht nut musikalisch umgesetzt.
Hinter der Bühne befindet sich eine Wand aus einzelnen, horizontal aneinander-gereihten, in allen erdenklichen Farben leuchtenden LED-Röhren. Darauf vier bewegliche Bildschirme, die sich so langsam und unauffällig bewegen, dass man es nicht einmal bemerkt wenn sie in eine andere Position fahren. Auf den Bildschirmen sind die Hauptdarsteller des Abends zu sehen – dafür sorgen Kameramänner, die um die Bühne stehen. An der Decke ist Richtung Hallenmitte ebenfalls eine Konstruktion aus LED-Röhren angebracht. Über der Bühne hängen zudem noch fünf "Kronleuchter". Die technische Ausrüstung, die für die visuelle Umsetzung vorhanden ist, ist umfangreich, gigantisch und effektiv. So wird "Don't Forget Me" in dunkles blau getaucht, "Scar Tissue" in ein Meer aus rot, gelb, orange und "21st Century" versinkt in grellen Farben. Währenddessen erscheinen auch immer wieder Animationen auf den Bildschirmen oder der Wand aus LED-Röhren.
Die Red Hot Chili Peppers, das ist viel mehr als nur Blood, Sugar, Sex and Magik.
Was die Setlist und Songauswahl betrifft, wird alles richtig gemacht. Man spielt ein kleines Best-Of-Set mit vielen kleinen Raritäten, die eigentlich aber Standardsongs einer Peppers-Show sind und trotzdem überraschen. "Higher Ground" fasziniert genauso wie "Right On Time" und "Blood Sugar Sex Magik". Von dem 28 Stücke fassenden "Stadium Arcadium" werden "nur" sechs Lieder gespielt. Wer hierfür die Auswahl treffen musste ist nicht zu beneiden! Die erste Single "Dani California" und "Charlie" werden zu Beginn gespielt. Auch die Live-Tauglichkeit von "21th Century" und "C'mon Girl" wird bewiesen. Bei "Tell Me Baby" singt jeder mit und die aktuelle Single "Snow ((Hey Oh))" wird zu Recht laut beklatscht, sowohl zu Beginn als auch am Ende des Songs. Beim Über-Hit "Californication" vergisst Anthony teilweise den Text, was nicht weiter stört, weil sowieso jeder laut mitsingt und es dadurch kaum jemand mitbekommt. Das druckvoll gespielte "By The Way" beendet das Set.
Die Red Hot Chili Peppers, das sind Musiker die sich gerne lange bitten lassen.
Die gesamte Schleyer-Halle ist dunkel – der Geräuschepegel ist unerträglich laut. Alle wollen die Chili Peppers noch einmal sehen. Und sie bekommen sie, wenn auch erst nach einer längeren Wartezeit. Flea besteigt zuerst allein die Bühne und bietet der Menge eines seiner berühmten Trompetensolos. Dieses lauscht dem charmanten kleinen Bassisten der den Ausflug an die Trompete sichtlich genießt. Klasse dargeboten beenden die großen Hits des Albums "Blood Sugar Sex Magik" das Konzert. Bei der ersten Zugabe "Under The Bridge" kommen die Feuerzeuge zum Einsatz. Letzter Song ist "Give It Away" – der Siedepunkt ist erreicht, die Menge kocht und lässt die Schleyerhalle beben.
Die Red Hot Chili Peppers, das ist eine Band die ohne Hits auskommt.
Nach guten 2 Stunden ohne "Otherside", "Around The World" und "The Power Of Equality" ist das Spektakel zu Ende. Anthony verlässt die Bühne und die verbliebenen drei jammen noch kurze 2-3 Minuten. Mager im Vergleich zu dem 10-minütigem Jam in Hamburg – aber trotzdem immer noch faszinierend. Wie den ganzen Abend tänzelt auch hier der Sound von John's-Gitarre um den Bass Flea's um ihn immer wieder zu umschlingen. Ein gelungenes Ende schließt einen gelungenen Abend ab.
Die Red Hot Chili Peppers, das sind vier talentierte Musiker die sich an den Erfolg gewöhnt haben und wissen wozu sie bestimmt sind – Musik machen, Live darbieten, Menschen fasziniert zurücklassen und eine unglaublich künstlerische Energie freisetzen.
Die komplette Setlist vom Konzert am 27.11.2006:
01-Intro Jam, 02-Can't Stop, 03-Dani California, 04-Scar Tissue, 05-Charlie, 06-Fortune Faded, 07-21st Century, 08-Blood Sugar Sex Magik, 09-Songbird (John Solo), 10-Snow ((Hey Oh)), 11-C'mon Girl, 12-Higher Ground, 13-Tell Me Baby, 14-Bass Intro, 15-Don't Forget Me, 16-Right On Time, 17-Californication Intro, 18-Californication, 19-By The Way
20-Flea's Trompet Solo, 21-Under The Bridge, 22-Your Gonna Get Yours Intro, 23-Give It Away, 24-End Jam
Leider dürfen wir euch keine Live-Fotos zeigen, da es der Veranstalter MCT (was für ein böser Veranstalter....kauft keine Tickets bei MCT >> ;-) << ) verbietet.
Schau dir doch auch mal folgende Themen an:
Red Hot Chili Peppers, Live, Tour, 2006, Bericht, konzert, Stuttgart, Setlist,
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