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So war es - Rock am Ring 2006

Das ist es also – Rock am Ring! Das größte Musikfestival Deutschlands – und auch eines der Größten Europas. Groß, das ist es wirklich - genauso wie kompliziert und unübersichtlich, aber eben auch gigantisch und mächtig. 60.000 feierten an diesem Wochenende eine riesige Party, die restlichen 10.000 kamen der Musik und Bands wegen.

Erinnern wir uns zurück…

Die ganze Woche hatte es geregnet, war mieses Wetter – tolle Voraussetzungen für ein Wochenende in Matsch und Kälte, festivaltypisch. Beides kam dann auch früher oder später, mehr oder weniger. Nach einer aufregenden fünf Stunden Auto-Fahrt am Donnerstag musste es während dem Zeltaufbau natürlich regnen. Erst danach kam langsam die Sonne raus, die blieb uns und dem Festival dann aber auch für den Großteil des restlichen Wochenendes. Mit leichtem Sonnenschein konnte nun ein bisschen das Gelände erkundet werden. Man konnte seine Nachbarn kennen lernen, wenn man das überhaupt wollte, oder andere absurde Gestalten (wenn man die nicht schon als Nachbarn hatte). Metallica-Fans da, Guns’n’Roses Lieder hier… Vereinzelt dröhnten aus den Zeltern auch die Böhsen Onkelz… Manchmal hörte man aber auch wirklich gute Musik oder sah anständige Leute in zerissenen Jeans und einem Shirt, auf dem mal nicht ein blöder Spruch oder der Schriftzug Metallica stand. Gott sei dank!


Zum Wichtigen - Der musikalische Rückblick: Am Freitag zu Beginn Bloodsimple. Hardcore-Metal, feine nervenaufreibende Sache, netter Einstieg für das leicht metallisch angehauchte Wochenende. Ohne Maske aber trotzdem mit toller Stimme sang und schrie sich Corey Taylor durch die Songs von Stone Sour, das erste Highlight an diesem Tag. Dir En Grey danach machten Angst und vestörten, hinterließen aber einen bleibenden Eindruck und überzeugten zumindest mich. Dann – Highlight-Alarm – die ersten Töne von „Korea“ ließen den Boden wackeln, da rasstete die Menge schon aus. Die Deftones um Ausnahmekünstler Chino Moreno waren zum ersten Mal seit langer Zeit in Deutschland und rissen mit neuen und auch alten Songs alles nieder. Extraklasse!!! Das machte Lust auf mehr! Korn glänzten mit all ihren Hits im Medley und neuen Stücken wie immer und die kamerascheuen Tool waren ein würdiger Headliner mit gigantischer Lightshow inkl. animierten Videos (die bestimmt nicht wenige in einen Trance Zustand versetzten). Auch sie brachten neue Songs von ihrem Album „10.000 Days“ mit nach Deutschland. Leider gefiel der Auftritt nicht allen, da die Guns’n’Roses Fans schon längst auf das Gelände gelassen wurden. Genau diese hab ich mir am späten Abend entgehen lassen – und dafür gab es auch einen triftigen Grund. Jamiroquai spielte und brachte den Funk unter die Leute. Dance! Die Babyshambles um Pete Dorethy spielten dann noch anstatt um 15Uhr mittags auf der Alternastage nachts um 3Uhr auf der Clubstage nach den großartigen Dredg. Und auch wenn Pete leicht verwirrt aussah, immerhin spritze er kein Blut ins Publikum…

Am Samstagnachmittag ließ der Veranstalter unter anderem die Newcomer BulletFor My Valentine, Soulfly und Danko Jones auf die Besucher los. Alle spielten großartige Shows, auch wenn man bei Soulfly Hits wie „Roots Bloody Roots“ oder „Jump Da Fuck Up“ vermiss…Der selbstverliebte Kanadier Danko Jones hingegen präsentierte all seine Hits und welzte sich dementsprechend nur so im Rock – was hier geboten wurde, war eines der vielen Highlights an diesem Wochenende! Auch wem Cradle Of Filth gefiel, hatte heute auf jeden Fall seinen Spaß (wenn Fans der Death-Metal Band dieses Gefühl überhaupt empfinden können…)! Den Fans des Gröberen wurde es an diesem Tag sowieso mit Bands wie Strapping Young Lad, Opeth, Trivium, Avenged Sevenfold, Atreyu, 36 Crazyfists, Soil, Flyleaf, WE, Alexisonfire und The Darkness eine Freude gemacht! Bushido, der ebenfalls am Samstag hätte auftreten sollen, sagte ab. Grund waren Auseinandersetzungen mit Zuschauern bei Rock im Park einen Tag zuvor, bei denen der Rapper u.a. mit Geldstücken beworfen wurde. Was soll’s… Wer sich als Rapper am offensichtlichen Metal-Tag vom Veranstalter auf dieselbe Bühne wie z.B. Soulfly, Opeth, Cradle Of Filth – und dann auch noch zwischen Danko Jones und Lacuna Coil stecken lässt, ist selbst Schuld… Abends spielten Metallica und In Flames zeitgleich, was für Verärgerung sorgte, da beide Bands bei Metal-Heads ziemlich bliebt sind. Ich möchte hier jetzt auch nicht sagen – das der, der sich Metallica angeschaut hat, sich für das Falsche an diesem Abend entschlossen hat, aber In Flames boten eine überragende Live-Show die der Metallica’s in nix nachstand! Taking Back Sunday verpasste ich leider wegen den Freaks rund um die Bloodhound Gang, die wie man es erwartete erstklassig unterhielten. Nicht nur zum Sex nach der Show mit Jimmy Pop an der Aral Tanke wurde dort aufgefordert, im Laufe des Abends wurde genau dieser von Bassist Evil Jared im wahrsten Sinne des Wortes angepisst... Aber das ist eine lange, andere Geschichte! Angels And Airwaves mit Blink 182 Mitbegründer Tom DeLonge waren atmosphärisch und verkauften sich als Headliner auf der Clubstage bei ihrem ersten Gig in Deutschland ziemlich gut, auch wenn die vielen anwesenden Blink 182-Fans vielleicht musiktechnisch etwas anderes erwartet hatten, denn die Musik dieser Band unterscheidet sich erheblich von dem ehemaligen Output Blinks. Turbonegro gaben sich in tierischer Kälte die Ehre und überzeugten nicht nur mich mit ihrem Death-Punk! Und was den Freak-Faktor anbelangt passte diese Band ausgezeichnet zwischen die Bloodhound Gang und das Late-Night-Special Ostkreutz. Letztere spielten vor rund 1.500 Zuschauern im Nieselregen. Verrückt das alles, nicht wirklich zu beschreiben… Überall Bildschirme auf denen merkwürdige Videosequenzen zu sehen waren, gesungene Wörter, die nicht wirklich existieren – Punk-Rock aus OST-Berlin…

Der Sonntag war dann leicht verdaulich im Vergleich zu den vergangenen zwei Tagen - keine einzige echte Metal-, Hardrock- oder Punk-Band mehr auf dem Programm. Auch irgendwie entspannend. Zum heiteren Line Up schien an diesem Tag dementsprechend auch die Sonne. Die Sportfreunde huldigten ihrem „54, 74, 90, 2006“ ganze 4x, was einem auf die Nerven hätte gehen können, hätten sie ansonsten keine gute Figur gemacht. Leider wurden von ihnen trotzdem viele gute Lieder nicht gespielt, was dann doch ein wenig enttäuschte… Die Kaiser Chiefs und Franz Ferdinand am Nachmittag brachten den Indi an den Ring. Was im Anschluss auf der Alternastage folgte war einfach nur genial. Oi oi oi! The Streets – british Finest – gaben sich die Ehre. Mike Skinner und Band überzeugten auf der ganzen Linie und feierten eine riesige Party. Brian Molko, Sänger von Placebo, zauberte mit Band als Co-Head Gänsehaut auf den Körper. Dies gelang den Headlinern Depeche Mode nicht. Sowohl Band, als auch Publikum waren leicht gelangweilt voneinander. Sei’s drum - denn wenig später, als Bela B. auf der Bühne stand, war dies schon wieder alles vergessen. Zum Abschluss gaben sich leider nicht mehr viele der Musik von Phoenix hin, obwohl die französische Band auf der Clubstage zu überzeugen wusste. Mit neuem Album im Gepäck durfte hier noch ein letztes Mal getanzt werden!

Alles in allem war Rock Am Ring 2006 ein gelungenes Wochenende - gutes Essen, teures Trinken, mehr oder weniger komfortables Wohnen, geile Bands!!! Wer die Art von Musik mag, geht vielleicht wieder hin – der Rest sowieso…

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