Am Anfang war der Stau; und das obwohl man doch eigentlicham Donnerstag abend nicht Anreisen sollte – wohl zu viele hatten tagsüber nicht die Zeit gefunden die Nachricht im Internet oder Radio wahrzunehmen. Alle die kamen fanden jedoch ein schönes, in Abendrot getauchtes, freundliches und lebendiges Neuhausen Ob Eck vor- ein Neuhausen ob Eck das wie die letzten Jahre für die nächsten drei Tage (22.06.-24.06.) Schauplatz eines der größten deutschen Festivals sein wird und zu Hause von über 40.000 Festivalbesuchern.
Mit Regen beginnt der Freitag. Mit dem soll er am Abend auch enden, doch bevor es soweit ist spielen im Laufe des Tages auf der Blue-Stage Bands wie TOS, Less Than Jake, Virginia! Jetzt und Editors. Später werden hier als Headliner Me First And The Gimme Gimmes jeden ihrer Songs mit „The Next Song Is A Cover“ ankündigen. Etwas lästiges, bei einer Punk’n’Cowboy-Rock-Band, welche nur gecoverte Songs zum Besten gibt. Auf der Green Stage spielen MeierSchulzeLehmann als Opener. Sugarplum Fairy erinnern schwer an Mando Diao, versprühen aber gerade noch genug eigenen Charme um nicht als Kopie abgestempelt zu werden. Die darauf folgenden Manic Street Preachers gewinnen heute keine neuen Fans, spielen aber kein schlechtes Konzert und genießen die Abendsonne, die sich über das Southside-Festival legt. Incubus ziehen eine richtige Masse vor die Hauptbühne, die Erwartungen sind bei vielen hoch. Brandon Boyd und Anhang absolvieren ein gutes, zurückhaltendes Live-Konzert, das Viele aber auch enttäuscht zurücklässt – vielleicht waren hier die Erwartungen einfach zu hoch. Denn Incubus machen keine große Show, sondern lassen allein die Musik für sich wirken, was vielen wohl zu wenig ist. Nicht so Marilyn Manson, auch wenn sich das Potenzial der Show verringert hat und alles etwas Langsamer und Ruhiger angegangen wird, bietet das was Mr. Manson dort auf der Bühne zelebriert für viele noch genügend Gesprächsstoff und sorgt noch immer für schwere Kritik. Sehr Publikumsorientiert präsentiert sich Marilyn Manson, der zur aktuellen Single „Heart Shapped Glasses“ dann auch am Wellenbrecher entlang schlendert – dich gefolgt von einer handvoll Securities. Auch wenn man merkt, das Marilyn Manson nicht mehr der Jüngste ist, wenn er z.B. immer wieder zum Beatmungsgerät greift oder ihm aufgeholfen werden muss – dem Auftritt mangelt es kaum an etwas. Das Set, das zur Hälfte mit neuem Songmaterial voll gestopft ist bietet auch noch genügend Platz für alte Hits – zur Zugabe gibt es „The Beautiful People“, welches dann auch den Tages-Abschluss gibt.
Sich schon vor 12Uhr am Samstag aus dem Schlafsack zu quälen und auf das Festivalgelände zu gehen gelingt nicht vielen – deshalb eröffnen am windigsten der drei Tage die Reggea-Rocker State Radio vor einer nur kleinen Menge. The Rakes folgen und ziehen schon mehr vor die Green-Stage. Vielleicht liegt das auch an der Spielfreude der vier jungen Herren aus London, die man bei manchem Bands noch vermissen wird. Art Brut, eines der Southside-Highlights, geben den wohl bestbesuchten 14Uhr-Gig des Wochenendes. Die Indie-Gemeinde singt laut mit und erfreut sich an den Ansagen von Frontmann Eddie Argos – Art Brut? Top Of The Pops! Perry Farell, welcher viel deutsch spricht und sich daran herrlich amüsiert, hat danach mit seiner Satellite Party viel Spaß vor wenig Publikum, denn die Meisten wechseln nach Art Brut zu The Blood Arm aus Kalifornien vor die Blue-Stage. Ihren eigenen Ansager hat die Lieblingsband von Franz Ferdinand dabei. Chaotisch, charismatisch und sonnig – das was uns die drei Herren mit Dame am frühen Nachmittag präsentieren. Sänger Nathaniel Fregoso sucht den direkten Kontakt zum Publikum und verbringt oft ganze Lieder am Wellenbrecher und auch im Publikum. Passend zu La Vela Puerca kommt die Sonne raus. Die Band aus Uruguay gibt von der ersten bis zur letzten Minute alles und bietet eine wahre Alternative zu den Klängen von Porcupine Tree auf der Green-Stage. Die hören wohl zu früh auf, damit sie den Auftritt der Genreverwandten Isis auf der Blue-Stage nicht verpassen. Dort spielen nach Isis noch Juliette & The Licks, welche gewohnt professionell zu unterhalten wissen; Jet, welche trotz der Überschneidung mit Placebo von sehr vielen zurecht gefeiert werden; Dropkick Murphys und als Headliner die Queens Of The Stone Age, welche zwar mit einem von Kronleuchtern bestimmten Bühnenbild und einer tollen Setlist zu überzeugen wissen, aber viel zu früh die Bühne verlassen und keine Zugaben spielen. Den Anfang des Abendprogramms auf der Green-Stage machen die Kings Of Leon, welche sehr zurückhaltend eine deftige Portion Rock’n’Roll in die Menge werfen. Es folgen Sonic Youth, Placebo, welche ihren Stand als beliebte Live-Band festigen und der Headliner Pearl Jam. Die Grunge-Urgesteine ziehen so viele, wie keine andere Band an diesem Wochenende vor die Bühne. Ob zu Recht oder nicht, die Mannen um Eddie Vedder; die nicht bereit dazu waren, ihren Namen auf die Southside-Shirts drucken zu lassen; sind längst nicht mehr nur im Underground Kult.
Mit Karpatenhund beginnt am Sonntag schon um kurz nach halb Zwölf auf der Blue-Stage die erste Band. Eine deutsche Band – genauso wie die darauf folgenden Fotos. Diese spielen munter auf, vergleichen und verwechseln aber leider öfters das Southside und das Hurricane. Mit ihrem „RemmiDemmi“-Cover holen sie sich aber die Gunst des Publikums zurück.The Films, deren Song „Belt Loop“ an diesem Wochenende auf den Videoleinwänden in den Um- und Aufbaupausen rauf und runter lief, spielen selbstbewusst fast alle Songs ihres Debüts „Don’t Dance Rattlesnake“ und lassen eine zufriedene Indie-Rock’n’Roll-Gemeinde zurück. An diesem Punkt verläuft sich alles – während auf der Green-Stage schon Mumm-Ra und The Bravery spielten, legen hier nun The Sounds los. Frank Black und Modest Mouse spielen auf der Blue, Mogwai und Arcade Fire auf der Green – man kann Menschenmassen beim hin- und herrennen beobachten. Für viele spielen hier die Highlights des Festivals – für andere heißt es warten bis die Bright Eyes auf der Blue-Stage spielen. Conor Oberst, der inzwischen aus seiner Wunderkind-Rolle (ausschließlich körperlich, nicht was die Fähigkeiten anbelangt) herausgewachsen ist, trägt Porno-Brille und wie die gesamte restliche Band weiß. Er und Band spielen viel Rares und Unerwartetes, die Menge dankt dies wiederum mit viel Applaus. Auf der Green-Stage beginnen währenddessen Bloc Party, welche aber aufgrund technischer Probleme Ihr Set immer wieder unterbrechen müssen. Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch – und vielleicht ermutigt diese auch Herrn Orekele dem Publikum einen Besuch abzustatten. Bloc Party spielen alle Hits und auch die deutschen Ansagen beherrscht Sänger Kele Orekele inzwischen fast perfekt. Viele wechseln hiernach zu Interpol auf die Blue-Stage. Noch mehr bleiben aber um mit der erfolgreichsten Hip-Hop-Band Deutschlands abzufeiern – Smudo, Michi Beck, And.Ypsilon und Thomas D. alias Die Fantastischen Vier rappen, hüpfen, springen, singen, feiern und ehe man sich versieht beenden sie mit „Ernten Was Wir Säen“ ihren Auftritt und räumen die Bühne für die Beastie Boys. Währenddessen spielen als Headliner auf der Blue-Stage die englischen Britrock-Popper Snow Patrol und bringen spätestens mit „Chasing Cars“ alle anwesenden Herzen zum schmelzen. Die Beastie Boys sind der würdige Headliner, den man erwartet hatte. Kampf-Riffe wechseln sich mit Hip-Hop-Beats ab und alle feiern gemeinsam eine riesen Party. Die „alten“ Männer haben nix verlernt, machen für viele das Southside 2007 doch noch zu einem positiven Erlebnis und entlassen die Menge mit „Sabotage“ in den plötzlich fallenden Regen, der wie ein Wunder in all den Tagen dem Southside im Großen und Ganzen fernblieb.
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